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BEG: Neubau und Sanierung

Neue Förderrichtlinie Bundesförderung für effiziente Gebäude

Die BEG hat im Prinzip drei Säulen: Förderung von Einzelmaßnahmen, Förderung von Nichtwohngebäuden und Förderung von Wohngebäuden. Für die Förderung von Einzelmaßnahmen vergleichen Sie bitte den folgenden Artikel: https://www.zvshk.de/themen/beg-foerderung-von-einzelmassnahmen-im-bestand/ Die Übersicht zur BEG finden Sie hier: https://www.zvshk.de/themen/beg-bundesfoerderung-fuer-effiziente-gebaeude/

Wohngebäude werden in Neubau und Sanierung dann gefördert, wenn sie über das Mindestmaß im Sinne des Gebäudeenergiegesetzes (GEG) als Nachfolger der Energieeinsparverordnung EnEV deutlich hinausgehen. Die dafür benötigte Nachweisführung erfordert ein Grundlagenwissen, das eine Fortbildung zum Energieeffizienz-Experten zur Fördervoraussetzung macht. Der folgende Artikel beschreibt die Förderung aus Sicht des ausführenden (und die Heizungs- und Lüftungstechnik planenden) Handwerkers. Es geht dabei um die Zusammenhänge, damit sich Fachhandwerker und Energieeffizienz-Experte untereinander verstehen. Ziel dieses Beitrages ist nicht die Befähigung zur Antragstellung.
 
Fördersystematik:
Es gibt im Prinzip drei unterschiedlich geförderte Effizienzhausstufen: 40 Plus, 40 und 55. Die Zahl bezieht sich auf den Primärenergiebedarf des Referenzgebäudes in Prozent. Dabei handelt es sich um ein fiktives Gebäude, das die gleiche Kubatur des zu fördernden Gebäudes hat, das aber eine vorgegebene Heizungs- und Lüftungs-Ausstattung und einen ebenfalls vorgegebenen Dämmstandard hat. Dieses Referenzgebäude ist also nur eine Rechengröße und existiert nicht. Es stammt von der Systematik her aus der EnEV bzw. der Nachfolgeregelung GEG. Die Effizienzhausstufe 55 kann nur voraussichtlich noch bis Ende Januar 2022 beantragt werden. Bei Flutopfern gilt die Übergangsregelung voraussichtlich Ende Juni 2022.
 
Der Primärenergiebedarf beschreibt nicht den Jahresbedarf, wie er zum Beispiel auf dem Gaszähler steht. Es handelt sich vielmehr um die Energie, die für ein standardisiertes Klima und Nutzerverhalten benötigt wird, um das Gebäude über das Jahr warm zu halten, und zwar bezogen auf die tatsächlich dem Erdreich entnommene Ressource. Sie beinhaltet also alle Umwandlungsverluste und Transportverluste und ist aus Umweltschutzgründen sinnvoll, entzieht sich aber dem unmittelbaren Erleben. Ein Effizienzhaus 40 hat nur noch 40% Bedarf des fiktiven Referenzgebäudes, ein Effizienzhaus 40 Plus erzeugt darüber hinaus u.a. einen Teil des Strombedarfes aus erneuerbaren Energien selbst.

Tatsächlich sind die Stufen noch ein wenig komplizierter. Es gibt zusätzliche Förderung für einen erhöhten Anteil von regenerativer Wärme. Gebäude mit Nachhaltigkeitszertifizierung erhalten einen weiteren Vorteil. Im Bestand sind schlechtere Standards förderfähig. Dies gilt auch für das Baudenkmal. Je mehr Kriterien das Gebäude erfüllt, desto höher ist die Förderung. Neu ist, dass Gebäude über einen längeren Zeitraum schrittweise saniert werden können und auch dann förderfähig sind. Voraussetzung ist ein individueller Sanierungsfahrplan  (iSFP).
 
Förderhöhen:
Die Förderung erfolgt auf zwei Wegen: Neben einem günstigen Kredit erfolgt ein Tilgungszuschuss. Dieser liegt zwischen 15 und 30 % im Neubau bzw. 25 und 50% bei einer Sanierung. Diese Summen sind gedeckelt. Die Bezugsgröße liegt je Wohneinheit zwischen 120.000 und 150.000 €. Bei einer Förderquote von 50% gibt es also einen Zuschuss von maximal 50%*150.000 €=75.000 €. Bei einer schrittweisen Sanierung nach einem individuellen Sanierungsfahrplan  (iSFP) gibt es Sonderregelungen. Für Bauherren ohne Kreditbedarf gibt es reine Zuschussvarianten.
 
Folgen für die Technik:
Die Anforderungen unmittelbar aus dem Richtlinientext sind vergleichsweise gering. So ist zum Beispiel der hydraulische Abgleich gefordert. Wichtig ist aber die energetische Planung des Energieeffizienz-Experten. Ein eigenmächtiges Abweichen von seinen Anforderungen kann zu Verlust der Förderfähigkeit führen. Ein Beispiel: Der Effizienznachweis wird für eine Trinwasseranlage ohne Zirkulationsleitung und eine Auslegungstemperatur der Heizkörper von 55°C gerechnet. Wenn der Kunde auf der Baustelle eine Zirkulationsleitung beauftragt, dann erhöht das den Bedarf des Gebäudes. Eine Erhöhung der Auslegungstemperatur auf zum Beispiel 60°C, um vorhandene Heizkörpernischen im Bestand nutzbar zu machen, erhöht ebenfalls den Bedarf. Änderungen der Vorgaben sollten ausschließlich in Absprach mit dem Energieeffizienz-Experten durchgeführt werden. Wenn sich eine Änderung ohne Absprache nicht vermeiden lässt, muss klar sein, dass es zu keiner Verschlechterung kommt. Ob eine Verschlechterung förderschädlich ist, kann nur der Ersteller des Effizienznachweises beurteilen. Je nach Gebäude gibt es in der Berechnung noch ein wenig Reserve für Verschlechterungen oder eben nicht.

Befristete Ausnahmeregelungen anlässlich der Flutkatastrophe 2021
Wie die KfW in einem Rundschreiben mitgeteilt hat, gibt es für von der Flutkatastrophe Betroffene Sonderregelungen und Vereinfachungen. So ist insbesondere der Vorhabensbeginn vor Förderantrag möglich. Die Kumulierung der Förderung durch die KfW mit der Fluthilfe wurde verbessert. Diese und weitere Regeln finden sich direkt im Rundschreiben.


Weitere Informationen:
Weitere Informationen finden sich direkt bei der KfW: https://www.kfw.de/inlandsfoerderung/Bundesf%C3%B6rderung-f%C3%BCr-effiziente-Geb%C3%A4ude/