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Standpunkte des ZVSHK

ZVSHK blickt zurück auf über 50 Jahre "ISH"

Eine Erfolgsgeschichte des Handwerks

Bilder: Strobel Verlag. Besucher und Ausstellung im Jahr 1960

ISH – dieses prägnante Kürzel steht für den Aufstieg einer Handwerksausstellung zur Weltleitmesse für Sanitär-, Heizung- und Klimatechnik. Die ISH ist heute unangefochten die international führende Leistungsschau für Wasser, Wärme und Luft, diesen Dreiklang der Elemente, der das Lebensumfeld des Menschen umfassend und nachhaltig prägt. Die ISH war und ist eine Messe des Handwerks für das Handwerk!

Die Anfänge: Begleitausstellungen für Verbandstagungen des SHK-Handwerks

Die eigentliche Geburtsstunde der ISH reicht weiter zurück als 50 Jahre. Sie fällt zusammen mit der Wiederbelebung der Verbänderorganisation im deutschen Handwerk. Nach dem verlorenen Weltkrieg, der Besatzungszeit und der Gründung der Bundesrepublik Deutschland im Mai 1949 bildeten sich langsam wieder korporative Strukturen heraus. Auch die deutschen Installateure, Heizungsbauer und Klempner schlossen ihre Gewerke jetzt wieder zu einer nationalen Organisation zusammen, dem Zentralverband Sanitär Heizung (ZVSH).

Auf einer der ersten Bundestagungen dieses jungen Verbandes, 1952 in Stuttgart, ergänzten die Verbandsverantwortlichen den Tagungsablauf um eine Fachausstellung mit dem Titel „Wir dienen der Gesundheit“. Rückblickend wirkt diese Namensgebung leicht missverständlich, im historischen Kontext der Wiederaufbaujahre indes erscheint sie durchaus plausibel. Fünf Jahre später – auf dem Höhepunkt der Wirtschaftswunderjahre – wählte der ZVSH für seine tagungsbegleitende Fachausstellung den programmatischen Namen „Sanitär- und Heizungstechnik“. Die Keimzelle für die spätere ISH war damit geschaffen. Mit den Verhandlungen und dem erfolgreichen Abschluß eines Trägerschaftsvertrages zwischen der Messe Frankfurt und dem Zentralverband Sanitär Heizung – damals noch ohne Klima – wandelte sich die Fachausstellungen des Sanitär- und Heizungshandwerks in eine internationale Messe.

Vom 14. bis 22. Mai 1960 trafen sich in Frankfurt 392 Aussteller zur ersten ISH. Die Ausstellungsfläche betrug 20.300 Quadratmeter. Aber die Messe, die im Namenszusatz weiter Fachausstellung für Sanitär- und Heizungstechnik hieß, wirkte auf die gesamte Branche wie eine Initialzündung. Die Zeit war reif für eine institutionalisierte Leistungsschau der Energie- und Gebäudetechnik. Stabile Konjunktur, Wohnungsbauprogramme, Bevölkerungswachstum, Wohlstand für alle – das waren die Schlagworte, die das neu anbrechende Jahrzehnt charakterisierten. Die Nachkriegszeit war ein für allemal vorbei. Alle sozialen Schichten wollten und sollten jetzt vom wirtschaftlichen Wiedererstarken Deutschlands profitieren. Wohnen mit Komfort war neben dem eigenen Auto und der ersten Urlaubsreise ins Ausland das erstrebenswerte Ziel für viele Bundesbürger. Folgerichtig war das Sanitär- und Heizungshandwerk gefragt wie nie zuvor. Schon damals agierten die Fachhandwerker für Wasser, Wärme, Luft als die Vermittler einer neuen und effizienten Gerätetechnologie am Markt.

Der ersten ISH folgte 1963 die zweite „Internationale Fachausstellung für Sanitär- und Heizungstechnik“, wie die Messe offiziell hieß. Die Zahl der Aussteller wuchs fast auf das Doppelte; die Ausstellungsfläche vergrößerte sich auf 33.700 Quadratmeter. Die dritte ISH im Jahr 1965 leitete den bis heute gültigen Zweijahresrhythmus der Veranstaltung ein. Sie präsentierte darüber hinaus die erste Sonderschau, damals zum Thema „Gasfeuerungstechnik“. Die Fachbesucher, die nach Frankfurt strömten, lagen in Anzahl und Qualität auf dem Niveau heutiger Messerekorde. 190.000 Messebesucher  informierten sich schon in den sechziger Jahren über die neuesten Techniken und Trends für Sanitär und Heizung.

Vier Jahre später – zur fünften ISH – hatte sich die einstige Fachausstellung des Handwerks bereits den Status der führenden europäischen Fachmesse erkämpft.

Die Etablierung: von Krisen und neuen Chancen

Waren die Anfangsjahre der ISH geprägt vom wirtschaftlichen Aufschwung, dem Glauben an ungebremsten ökonomischen und technologischen Fortschritt sowie einem ausgeprägten gesellschaftlichen Optimismus, wandelte sich mit Beginn der siebziger Jahre das politische, wirtschaftliche und gesellschaftliche Umfeld der Messe. Die Rahmenbedingungen veränderten sich grundlegend. Ölkrise, Rezession, Arbeitslosigkeit, Umweltverschmutzung, Zukunftsangst lauteten die Schlagworte, die den Alltag der Bundesrepublik in dieser Zeit maßgeblich bestimmten. Wie weit das Handwerk von diesen Veränderungen betroffen war, offenbarte schlaglichtartig seine Leistungsschau in Frankfurt. Hier war mit der neunten ISH 1977 ein vollständiger Paradigmenwechsel vollzogen worden. Nicht mehr Komfort, sondern Energieeinsparung war das bestimmende Thema der Messe.

Die Politik hatte dabei der gesamten SHK-Branche die Richtung vorgegeben. Im Zuge der zweiten Ölkrise hatte die Regierung Schmidt ein Energieeinsparungsgesetz beschlossen und durchgesetzt. Für den ZVSHK als oberste Interessenvertretung des installierenden Gewerbes in Deutschland war sofort klar: die Umsetzung des Energieeinspargesetzes durch die entsprechenden Verordnungen, wie Wärmeschutzverordnung und Heizungsanlagenverordnung, wird zum Leitthema seines Messeauftrittes auf der ISH 1977.

Ende der siebziger Jahre hatte sich die ISH als die führende Leistungsschau für die Energie- und Gebäudetechnik in Deutschland und Europa fest etabliert. Sie war nicht mehr wegzudenken aus dem Messeprogramm der Republik. Für Deutschlands Fachhandwerk war sie längst zu einer Pflichtveranstaltung geworden. Branche und Marktpartner reagierten darauf entsprechend. Die Wachstumsraten bei Ausstellern und Ausstellungsfläche vielen mitunter zweistellig aus.

Seit 1979 war die Gaswirtschaft verstärkt auf der Messe vertreten und präsentierte die von ihr favorisierten und geförderten Technologien. Gleichzeitig etablierte sich zwischen Handwerk und Energiewirtschaft ein neuer Geist der Zusammenarbeit bei der Modernisierung von Heizungsanlagen. Die Folge: ab 1981 präsentierte die gesamte Branche ihr Leistungsangebot auf dem Wärmemarkt immer stärker unter dem Gesichtspunkt der Heizungsmodernisierung.

Als Leistungsschau der SHK-Branche definierte sich die ISH aber nie allein durch die Heizungsseite. Auch auf der Sanitärsseite fand Anfang der 80er Jahre ein bemerkenswerter Wandel statt. Die deutsche Armaturenindustrie lieferte nicht nur hervorragende technisch ausgereifte Armaturen mit der Keramikscheibentechnologie, sondern emanzipierte sich auch im Design. Die ISH dokumentierte alle zwei Jahre auf das neue: auch im Design hatten die deutschen Herstellern ihren italienischen Konkurrenten die Führungsrolle abgenommen.

Die Weltleitmesse: von der Wiedervereinigung zur Globalisierung

Zum Zeitpunkt der deutschen Wiedervereinigung hatte sich die ISH auf dem internationalen Messeparkett ihre Rolle als Weltleitmesse der SHK-Branche längst erstritten. Allerdings sollte sich ihre Weltgeltung in den jetzt folgenden Jahren der Globalisierung noch einmal deutlich verfestigen.

Zunächst brachte die Wiedervereinigung natürlich auch für die ISH entscheidende Impulse. Auf der ISH 1991 konnten sich die neu formierten SHK-Unternehmen aus den neuen Bundesländern einen umfassenden Überblick über das gigantische Angebot von Produkten und Systemen auf dem SHK-Sektor machen. Der einsetzende Bauboom in den neuen Bundesländern schaffte hierzu einen idealen Auftragsrahmen.

Mit der Wiedervereinigung hatte sich für die ISH aber auch ein neues Fachpublikum erschlossen. Die Messe übersprang jetzt die 200.000er Fachbesuchergrenze. Die Globalisierung selbst brachte die Notwendigkeit, die ISH als Exportartikel auch in Übersee zu implementieren. Mit Standorten in China, USA und Dubai ist dies auch gelungen, wenngleich diese Veranstaltungen mit der ISH als Weltleitmesse sicher nicht zu vergleichen sind. Sie erfüllen aber die wichtige Funktion, die ISH in den Auslandsmärkten in ihrer Position als führende Leistungsschau der Branche zu festigen. Ein wichtiger strategischer Schachzug, den das Handwerk als Träger der Messe aktiv mit gesteuert hat.

Eine Bilanz aus Sicht des Handwerks

Das Gepräge der ISH ist trotz oder gerade wegen ihrer Weltgeltung immer stark vom Handwerk bestimmt worden. Bis heute stellt das Handwerk über 50 Prozent der Fachbesucher zur ISH; und die wachsende Zahl von Handwerkern aus der ganzen Welt, die die ISH besuchen, bestätigt diese Besonderheit.

Immer hat es Herausforderungen für die ISH und ihre Träger gegeben, die sich im Wesentlichen auf die Frage des Leistungsprogramms und die anzusprechenden Aussteller auf der einen Seite sowie auf die Sicherung der Qualität und Menge der Fachbesucher auf der anderen Seite fokussierte. Unabhängig davon haben die technologischen Highlights zur ISH Branchengeschichte geschrieben und die Entwicklung in der Gebäudetechnik nach vorne getrieben. So kann auch der ISH von ihrem Gründer und Träger, dem SHK-Handwerk, eine hervorragende Zukunftsentwicklung prognostiziert werden.

Quelle: Auszüge aus "50 Jahre ISH Leben mit Wasser, Wärme, Luft"