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Pressemitteilung

5/2017 Drei Fragen an Hauptgeschäftsführer Andreas Müller

Andreas Müller zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur besonderen Bedeutung der Geschäftsfelder Energie und Demografie für die SHK-Handwerksbetriebe

Andreas Müller, Hauptgeschäftsführer des ZVSHK

Frankfurt a. M./Sankt Augustin, 14. März 2017 Am 14. März 2017 beginnt in Frankfurt am Main die größte internationale Leistungsschau der Sanitär-, Heizungs- und Klimabranche. Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) ist Gründer und ideeller Träger der ISH. Er vertritt die größte Besuchergruppe der Weltleitmesse: das nationale Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerk. Zum Messeauftakt beantwortet Hauptgeschäftsführer Andreas Müller Fragen zur wirtschaftlichen Entwicklung und zur besonderen Bedeutung der Geschäftsfelder Energie und Demografie für die rund 51.000 SHK-Handwerksbetriebe.

Frage: Herr Müller, als frisch ernannter ZVSHK-Hauptgeschäftsführer konnten Sie Mitte Februar gleich einen Rekordumsatz des SHK-Handwerks für das zurückliegende Geschäftsjahr vermelden. Wie schätzen Sie aktuell die konjunkturellen Aussichten für das Jahr 2017 ein?

Andreas Müller: Der Rekordumsatz aus dem letzten Jahr dokumentiert eine ungebrochene wirtschaftliche Aufwärtsentwicklung unseres Handwerks seit dem Jahr 2008. Diese Entwicklung wird aktuell natürlich getragen von einer positiven Gesamtkonjunktur in unserem Land. Als Exportweltmeister bestehen für Deutschland international jedoch zunehmend Risiken, die sich negativ auf seine Leistungsbilanz auswirken können. Dieses Szenario mahnt zur Vorsicht. Aus heutiger Sicht können wir allerdings feststellen: Die Geschäftsentwicklung für die nächsten Monate wird von uns sowohl für den Sanitär- als auch für den Heizungssektor weiterhin positiv eingeschätzt. Auch das Kundendienstgeschäft wird weiter florieren. Im Jahr 2017 ist deshalb weiterhin mit einer stabilen Auftragslage unserer Betriebe zu rechnen. Das Modernisierungsgeschäft wird dafür weiterhin der treibende Motor sein. Dazu werden auch die Investitionszuschüsse der KfW Bank in die energetische sowie altersgerechte Modernisierung von Wohnungen und Häusern beitragen. Die stärksten Wachstumsimpulse werden wohl von den Konsum- und Bauinvestitionen ausgelöst werden. Die Investition in Wohneigentum bleibt aufgrundniedriger Zinsen, steigender Mieten und hoher Arbeitsplatzsicherheit attraktiv. Wir rechnen für 2017 mit einem weiteren Umsatzwachstum von bis zu 2 Prozent.

Frage: Das SHK-Handwerk profitiert seit Jahren von der Flucht des Geldes in das sogenannte Betongold. Aktuelle Umfragezahlen bestätigen dabei den klaren Trend, dass die Eigenheimbesitzer in Deutschland dabei eher in ein neues Bad investieren als in eine neue Heizung. Woran liegt das?

Andreas Müller: Die Bereitschaft der Eigenheimbesitzer in Deutschland, in die Wertsteigerung ihrer Immobilie zu investieren, ist in der Tat weiterhin hoch. Dies hat gerade wieder eine im Auftrag des Zentralverbandes Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) Ende Februar durchgeführte repräsentative KANTAR EMNID-Umfrage unter eintausend Hausbesitzern bestätigt. Und bei den Renovierungsplänen für die nächsten fünf Jahre ist die Baderneuerung der klare Favorit.

Warum das so ist, liegt auf der Hand. Eine Badmodernisierung bedeutet eine Komfortsteigerung über das gesamte Jahr. Verbunden mit der Planung und Installation altersgerechter und digital nutzbarer Produkte ist es eine klare und vor allem sichtbare Zukunftsinvestition. Hier spielt auch der Prestigegewinn eine Rolle. Nachbarn und Freunden präsentiert man stolz das neue Bad; einen ähnlichen Effekt bei der Installation einer neuen effizienten Heizungsanlage erleben wir eher nicht.

Heizungsmodernisierung erfolgt in Deutschland vor allem im Bedarfsfall. Das heißt: Erst wenn die alte Anlage nicht mehr funktioniert, erfolgt der Einbau einer neuen Anlage. Es ist deshalb umso wichtiger, dass Immobilienbesitzer Anreize für die Heizungsmodernisierung bekommen. Der ständige Appell: ‚Schone Umwelt und Geldbeutel‘ verhallt ungehört. Anlagenbetreiber wollen verlässliche Förderzusagen und Anreize durch die Politik, die privates Kapital für die energetische Modernisierung der Heizungsanlagen mittelssteuerlicher Anreize mobilisieren. Der Wärmemarkt benötigt ein einfaches, verständliches, wirksames und nachhaltiges Instrument: ein Prämienmodell oder eine steuerliche Förderung.

Frage: Als Interessenvertretung des SHK-Handwerks auf Bundesebene ist der ZVSHK anerkannter Ansprechpartner und Ratgeber für die Politik. Worauf konzentriert sich die politische Arbeit des ZVSHK und welche Erwartungen haben Sie im Hinblick auf die Bundestagswahlen im Herbst?

Andreas Müller: Unser Handwerk besetzt im Markt Geschäftsfelder, die in unmittelbarem Zusammenhang mit politisch-gesellschaftlichen Entwicklungsprozessen stehen. Um dies zu verdeutlichen, reichen eigentlich schon die beiden Stichworte Energie und Demografie. Die politisch gewollte Energiewende kann im Wärmemarkt nur mit unseren Betrieben als Umsetzer gelingen. Der notwendige Bau und Umbau von Wohnungen für eine zunehmend älter werdende Gesellschaft konzentriert sich zuvörderst auf das Bad – das zweite gleichwertige Tätigkeitsfeld unseres Handwerks. Zudem weiß die Politik um die bedeutende Rolle des Marktmittlers unserer Betriebe. Wir sind und bleiben mit Abstand erster Ansprechpartner für den Produktkauf bei einer Heizungs- und Badmodernisierung. In einer aktuellen Umfrage nach den bevorzugten Bezugsquellen nennen 86 Prozent der befragten Eigenheimbesitzer das Fachhandwerk. Es ist der oft langjährige persönliche und vertrauensvolle Kontakt zu den Kunden, der unseren Betrieben im Markt diesen deutlichen Vorsprung vor anderen Vertriebswegen verschafft.

Was den Ausblick auf das Wahljahr 2017 angeht, steht fest: in den nächsten Monaten werden wir von Seiten der Politik keine nennenswerten Impulse für unseren Markt mehr erfahren. Regierung und Parlament sind im Wahlkampfmodus; nicht nur im Bund, sondern auch in drei Bundesländern. Wir wünschen uns für die nächste Legislaturperiode vor allem eine stabile Regierungskoalition. In welcher Farbzusammenstellung, diese sich konstituiert, bleibt abzuwarten. Das entscheiden die Wähler. Leben und arbeiten müssen wir mit jedweder Parteienkonstellation. Für uns am wichtigsten ist: Wir werden als Interessenvertretung der größten Gruppe des installierenden Gewerbes in Deutschland mit unseren Vorstellungen und auch Forderungen angehört.

Der Zentralverband Sanitär Heizung Klima (ZVSHK) ist die Standesorganisation von über 51.000 Handwerksbetrieben mit über 365.000 Beschäftigten. Der Jahresumsatz des Sanitär-, Heizungs- und Klimahandwerks lag 2016 bei 41,7 Milliarden Euro. Die 24.000 Innungsbetriebe erwirtschafteten mit ihren 215.000 Beschäftigten fast zwei Drittel des Gesamtumsatzes.